Nicolas Zippan + Raimund Dinter |
Nicolas Zippan ist seit vielen Jahren der erfolgreichste Radsportler des RSV 93 Königs Wusterhausen.
Anlässlich seines jüngsten großen Erfolges beim Berliner Sixdays-WE führte RSV
Vorsitzender Raimund Dinter mit ihm das folgende Interview:
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Raimund: Nicolas, nochmals ganz herzliche Glückwünsche, auch im Namen des
RSV 93 KW, zu deinem/euren grandiosen 3. Platz beim 113. Internationalen Sixdays-Wochenende im Velodrom Berlin.
Beschreib mal bitte, wie war das, mit deinem Partner Moritz Malcharek auf dem
Podium vor Tausenden begeisterten Radsportfans zu stehen?
Nicolas: „Ja vielen Dank erstmal für die Glückwünsche. Es war natürlich eine sehr
schöne Erfahrung, das erste mal bei den Profis mit dabei zu sein. Für Moritz war es
das letzte Sechstagerennen, und für mich war es eine große Ehre, ihn dabei
begleiten zu dürfen und mit ihm als Paar zu fahren. Die Fans waren natürlich auch
ein Highlight, ich denke so ein Erlebnis vergisst man nicht so schnell.“
Raimund: Dein Start war äußerst vielversprechend. Du hast beim Punktefahren eine
Wertung gewonnen, beinahe dein erstes Derny-Rennen gewonnen (2. Platz) – und
plötzlich warst du raus. Wir waren fassungslos! Die beiden Sprecher erwähnten nur
kurz: der Partner von Roger Kluge, Moritz Augenstein, ist erkrankt, konnte nicht mehr
antreten.
Was war da los?
Nicolas: „Ja genau, also Moritz Augenstein hat sich leider den Magen kurz vor dem
Start verstimmt und konnte deshalb leider nicht fahren. Dann ging das alles sehr
schnell. Als die Fahrer/Team Vorstellung begann, hat sich Moritz auf einmal
umgezogen und dann war relativ schnell klar, dass ich für diesen Abend keinen
Partner hatte. Für mich war das nicht das größte Problem, dass ich nicht fahren
konnte. Natürlich war ich etwas enttäuscht, aber habe sofort verstanden, wieso das
sein musste. Für mich war nur unangenehm alleine, ohne Partner, präsentiert zu
werden und dann danach die Bahn zu verlassen. Außerdem hatte das Team, Team
Standert Brandenburg, ein Trikot mit Sponsoren gestellt, wodurch das ganze
natürlich auch finanziell irgendwo ein Thema war.“
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Raimund: Noch ein paar Worte zum 3. Platz als bester Deutscher und bestem U23
Fahrer bei der Internationalen „Tour Bitwa Warszawska“ im August 2025.
Nicolas: „Das war natürlich eine sehr erfolgreiche Woche, wo alles gepasst hat. Die
Form war on Point, wir hatten viel Spaß mit der Mannschaft, jeder hat sich für
jeden geopfert im Rennen, und eine Prise Glück hatten wir auch. Alles in allem eine
super Woche, auf die ich sehr stolz bin.“
Raimund: Neun Siege und 24 Platzierungen (2-15) stehen 2025 für dich zu Buche.
Und herausragend bist du mit Platz 9 in den „Top Ten“ der radnet-Bestenliste, neben
Größen wie Florian Lipowitz, Tim Torn Teutenberg und Phil Bauhaus.
Da kann man dir einfach nur gratulieren und diese Leistungen respektvoll
anerkennen.
Nicolas: „Vielen Dank, aber ich versuche mich nicht auf so etwas zu konzentrieren.
Klar ist es schön das dann zu sehen, aber davon kann man sich nichts kaufen, und
um ehrlich zu sein interessiert es eigentlich auch niemanden. Aber ist natürlich
trotzdem nicht schlecht.“
Raimund: Seit 2016, dem Beginn deiner Karriere, wirst du von deinem Vater
Michael, selbst ein ehemals sehr erfolgreicher Radrennfahrer, trainiert und betreut,
jetzt im Team Standert Brandenburg.
Du stammst ja auch aus einer Radsportdynastie. Dein Opa Hans Zippan war einst
u.a. mehrfacher DDR-Meister, hat als dein erster Trainer großen Anteil an deinen
Erfolgen.
Die ganze Familie steht ja auch hinter dir. Was bedeutet dir das?
Nicolas: „Das bedeutet mir sehr viel. Ohne meine Familie wäre ich niemals so weit
gekommen. Es werden immer hauptsächlich mein Opa und Papa genannt, natürlich
auch, weil sie am meisten mit dem Sport zu tun haben. Aber wen man auch nicht
vergessen darf ist der ,Rest‘ meiner Familie. Meine Mama natürlich an erster Stelle.
Sie hält mir immer den Rücken frei und unterstützt mich, so wie sie kann. Sowohl
mental als auch physisch, da sie Physiotherapeutin ist. Ohne sie wären wir zuhause
alle aufgeschmissen. Aber auch meine beiden Omas, mein Bruder und meine
Schwester mit ihren beiden Kindern unterstützen mich. Das gibt mir viel Ruhe und ich
bin sehr dankbar, dass ich in so einer tollen Familie lebe und aufgewachsen bin."
Raimund: Im September 2025 hast du eine Ausbildung zum Physiotherapeuten
begonnen, also auch ein sehr sportnaher Job mit Zukunftschancen.
Dazu wünschen wir dir viel Erfolg.
Für das neue Wettkampfjahr ebenso alles Gute, weitere Erfolge, vor allem auch
sturzfrei und mit viel Gesundheit.
Wir hoffen sehr und erwarten, dass du eine Einladung für das nächste Sixdays-Wochenende in
Berlin 2027 sowie vielleicht auch für andere Veranstaltungen erhältst.
Behalte bitte deinen Optimismus und deine bescheidene und freundliche Art, so wie
wir dich als Radsportkameraden unseres RSV 93 KW kennen.
Nicolas: Genau. Ich bin sehr gespannt, wie ich das dieses Jahr kombinieren kann
mit Ausbildung und Leistungssport. Aber ich bin zuversichtlich.
Vielen Dank für die Wünsche und die Fragen. Bis bald.
Raimund: Nicolas, vielen Dank für das Interview.
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Raimund: Wir sind dann später schwer enttäuscht nach Hause gefahren, waren aber
mit deinem Vater und Betreuer Micha im Kontakt, wie es nun mit dir weitergeht.
Es war für alle ein banges Warten, bis am Samstag Mittag die erlösende Nachricht
kam: du kannst wieder an den Start gehen. Da Roger Kluge ebenfalls erkrankte, war
sein (und auch dein) Partner Moritz Malcharek wieder für dich „frei“.
Eine insgesamt sehr diffuse Situation. Wie hast du das alles mental verkraftet?
Nicolas: „Also erstmal war es natürlich sehr blöd für Roger, weil es ja sein
Heimrennen ist und er nunmal der wichtigste Fahrer für die Fans hier in Berlin ist.
Außerdem standen natürlich eine Woche später die Europameisterschaften auf der
Bahn an. Es war also sehr ungünstig, dass nun auch Roger krank war. Im
Nachhinein ist ja dann bei den EM alles gut gelaufen, zwei Starts, einmal Bronze und
einmal Gold.
Für mich war das mental aber schon nicht so einfach, aber am Ende hat ja dann alles
geklappt und dann war der Rest auch wieder nebensächlich.“
Raimund: Der Samstagabend war vor ausverkauftem Haus ein Fest des Radsports.
Sprecher Robert Bengsch (Eurosport) hatte dich immer wieder erwähnt. Dafür habe
ich mich auch bei ihm bedankt.
Als klar war, dass die „fliegenden Holländer“ Hoppezak/Havik und die Dänen
Fynbo/Winkler uneinholbar waren, entbrannte ein heftiger Kampf zwischen euch und
den Niederländern van Schipp/Eefting-Bloem um Platz 3. Das Haus tobte vor
Begeisterung. Hat dir das, trotz der Ereignisse am Vortag, „Flügel“ verliehen?
Nicolas: „Ja, ich denke die Stimmung am Samstag war sehr sehr gut. Ich glaube bei
solch einer Lautstärke bin ich noch kein Rennen gefahren, das hat auf jeden Fall
gepusht. Außerdem ist es natürlich immer schön zuhause Rennen zu fahren,
Freunde und Familie waren da, das war für mich sehr besonders.“
Raimund: Die letzte Wertung musste darüber entscheiden. Das Finale war für uns
Zuschauer wie eine „Lehrvorführung“ im Madison. Beschreib es mal bitte aus deiner
Sicht.
Nicolas: „Moritz hat mich mit vier Runden bis zum Ziel ins Rennen geschickt, da
wusste ich schon, dass er jetzt so schnell fahren wird, dass er die letzte Wertung
fahren kann. Ich hab dann versucht mich halbwegs gut zu positionieren, so dass er
die letzte Wertung voll fahren kann. Das hab ich dann leider nicht so gut geschafft,
ich hab ihn zu weit hinten eingewechselt. Aber er war wahrscheinlich so motiviert,
dass er dann mit Schwung an allen vorbei geflogen ist und die Wertung vor van
Schip gewonnen hat. Ich hab von oben nur gehofft, dass er es schafft und war dann
natürlich erleichtert, als er es geschafft hat.“
Raimund: Deine Erfolge kommen nicht von ungefähr. Du trainierst nach wie vor sehr
fleißig und hart, obwohl du von den German Cycling-Funktionären in der
Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt wurdest - eine sehr fragwürdige
Entscheidung.
Ein Beispiel: zum Bahnpokal nach Frankfurt/Oder im vergangenen Dezember bist du
bei minus sieben Grad! von Zuhause per Rad angereist (80 km), hast dann das
Punktefahren souverän gewonnen. Was motiviert dich trotz allem?
Nicolas: „Ich bin ehrlicherweise einfach froh darüber, wie es, seitdem ich nicht mehr
in der Nationalmannschaft bin, dort läuft. Ich mache mir einfach nicht mehr so viel
Druck, und das ist dann in der Leistung merkbar. Und zum Training motiviere ich mich
dann auch über die Freude am Radfahren. Mir macht es einfach Spaß, und das ist
das Wichtigste.“
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Moritz Malcharek + Nicolas Zippan |
Vater Michael + Nicolas Zippan |
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