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11. Radrennertreffen am 6. März 2026 in Dresden

Wie immer vor allem für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, ein kurzer Bericht zum Treffen.

Es war nach intensiver Suche ein weiterer Versuch, eine neue, für unser Treffen geeignete Lokalität zu finden, in der wir uns auch in den nächsten Jahren zusammenfinden können. Aus meiner Sicht war es mit dem „Klosterhof“ in Dresden-Altleubnitz auch nur ein begrenzter Erfolg.

Bezüglich der Terminverschiebung von unserem Traditionstermin Anfang Februar auf Anfang März muss man noch einmal überlegen, ob dies eine günstige Variante ist. Ich nehme auch gerne dazu eure Hinweise entgegen.

Von allen Anwesenden besonders herzlich begrüßt waren die diesjährigen prominenten Ehrengäste Eisschnellläuferin und Radsprinterin Christa Luding-Rothenburger und Thomas Barth, langjähriger Kapitän der DDR-Nationalmannschaft, meiner Einladung gefolgt. Darüber hinaus konnten wir uns auch wieder über das Kommen früherer Interviewpartner freuen: Wolfgang Lötzsch, Biathlonweltmeister Dieter Speer, Fritz Braun, Günter Mosch und Bernd Schlechte aus der ehemaligen Dresdner Querfeldein-Elite sowie Sachsentour-Direktor Wolfgang Friedemann. Auch Olaf Bruch, Hauptorganisator des Leipziger „Treff der Alten“, hatte den weiten Weg von Zwenkau nicht gescheut.

Leider mussten unsere früheren Ehrengäste Thomas Huschke und Werner Otto ihr Kommen aufgrund von Krankheit kurzfristig absagen. Thomas Barth, zwischen 1980 und 1989 zehnmaliger Friedensfahrtteilnehmer, hatte neben dem Clubtrikot von Wismut Gera, seinem Weltmeistertrikot 1977/78 von der Junioren-Vierermannschaft und dem Teamtrikot des dänisch-niederländischen Profiteams TVM, für das er von 1990 bis 1992 startete, auch zwei Rennradklassiker aus früheren Zeiten mitgebracht.

In seinem humorvollen, interessanten Vortrag berichtete er aus seiner knapp 20-jährigen Radsportkarriere. Angefangen damit, als er sich als 14-Jähriger bei der BSG Motor Zeulenroda anmeldete, über die vielen erfolgreichen Jahre bei der SG Wismut Gera bei Erfolgstrainer Werner Marschner bis zur erfolgreichen Teilnahme an der Tour de France 1991 mit TVM. Mit Olaf Ludwig gehörte er viele Jahre zum Kern der DDR-Nationalmannschaft, deren Kapitän er aufgrund seiner Rennübersicht und mannschaftsdienlichen Fahrweise viele Jahre war.

Eher beiläufig erwähnte er einige seiner großartigen Erfolge: 11. Platz bei den Radweltmeisterschaften 1979 im niederländischen Valkenburg, 4. Platz Friedensfahrt 1982 (Einzel-Gesamt), 4. Platz beim olympischen Straßenrennen 1980 in Moskau, 4. Platz bei der WM 1983 in Altenrhein, Etappensieg auf der 7. Etappe der Friedensfahrt 1984, Sieg bei der Belgienrundfahrt der Amateure 1989. Viele hervorragende Platzierungen bei nationalen und internationalen Rennen könnten noch angefügt werden.

 

Interessant auch seine Erzählung, dass er mit dem Original-Diamant-Radklassiker an der berühmten EROICA im toskanischen Gaiole teilgenommen hat, auf deren Strecken der Profi-Neoklassiker Strade Bianche jedes Jahr Anfang März stattfindet.

Mit Christa Luding-Rothenburger hatten wir eine der erfolgreichsten DDR-Sportlerinnen der 1980er Jahre in unserer Mitte; die Teilnahme an fünf Olympischen Spielen ist allein schon ein Leistungsnachweis ihrer sehr erfolgreichen Karriere. Auch sie hatte einige hochinteressante Gegenstände im Gepäck: ein paar Schlittschuhe aus ihrer aktiven Zeit und, sicherlich als absolutes Highlight, die Goldmedaille der Winterolympiade 1988 über 1000 m in Calgary, die Radsprint-Silbermedaille des gleichen Jahres von Seoul und die Radsprint-Goldmedaille der Weltmeisterschaft 1986 in Colorado Springs (USA).

Wer von uns hatte schon einmal die Gelegenheit, eine Olympiamedaille in die Hand zu nehmen? Mit ihren Erfolgen in Calgary und Seoul ist sie bis heute die einzige Sportlerin, der es gelang, im gleichen Jahr sowohl bei der Winter- als auch bei der Sommerolympiade Medaillen zu erringen. 13 Jahre gehörte Christa zur absoluten Weltspitze auf den Sprintstrecken im Eisschnelllauf (zwischen 1981 und 1988 lief sie sieben Weltrekorde über 500 bzw. 1000 m). Zwei Goldmedaillen, eine Silber- und eine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen von Sarajevo, Calgary und Albertville 1992 bezeugen dies.

Allein bei Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften von 1979 bis 1992 errang sie zwei Gold-, zwei Silber- und drei Bronzemedaillen.

Aber auch auf den Radrennbahnen war sie von 1980 bis 1988 die dominierende Sportlerin in der DDR; acht DDR-Meistertitel jeweils im Sprint und im 500-m-Zeitfahren zeugen von ihrer außergewöhnlichen Klasse.

Besondere Höhepunkte ihrer Radkarriere waren natürlich der Sprintweltmeistertitel 1986 in Colorado Springs, die Silbermedaille 1987 in Wien und natürlich die bereits erwähnte Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul (hinter der Topfavoritin Erika Salumäe, von der sie nur um wenige Zentimeter geschlagen wurde).

Natürlich gab es viele Fragen an unsere prominenten Ehrengäste, die sie bereitwillig und geduldig beantworteten. Besonders „gequält“ diesbezüglich wurde sicherlich Christa Luding von uns Radfahrern, die vom Eisschnelllauf — außer, dass Eis in der Regel glatt ist — wenig Sachkenntnis haben.

Interessant war die Aussage von Christa, dass sie für ihre überaus erfolgreichen Aktivitäten auf der Radrennbahn keinen gesonderten Radsporttrainer hatte, sondern dass dies auch ihr Eisschnelllauftrainer Ernst Luding übernahm (der später auch ihr Mann wurde).

Christa Luding-Rothenburger (links), eine der erfolgreichsten DDR-Sportlerinnen der 1980er Jahre,
wird von Klaus Gärtner begrüßt.
 

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass rückblickend auf den 11./12. Juni des vergangenen Jahres, eingebunden in die 800-Jahrfeierlichkeiten des Gemeindeverbandes Bischheim-Gersdorf, in Gersdorf an die Radsporttraditionen der Region erinnert wurde.

Hauptorganisator Wolfgang Fechner aus Gersdorf stellte dies nochmals kurzgefasst dar.

Außer einem sehr gut besuchten Sportlerforum in der Sporthalle Gersdorf, in dem im Rahmen einer Video-Präsentation insbesondere das 36-mal ausgetragene Radrennen mit Start und Ziel in Gersdorf dokumentiert wurde, gab es am folgenden Tag eine Befahrung der traditionellen Strecke Gersdorf–Steina–Möhrsdorf für jedermann. Für beide Veranstaltungen wurden von der Organisation auch eine Reihe ehemaliger Aktiver, die auf diesem Rundkurs allerhand Schweiß vergossen haben, eingeladen. Andreas Petermann, Martin Goetze, Wolfgang Lötzsch, Falk Boden, Thilo Fuhrmann, Günter Mosch und die Brüder Karlheinz und Wolfgang Miersch waren damals der Einladung gefolgt. Wolfgang Fechner bedankte sich nochmals bei den anwesenden Günter Mosch und Wolfgang Lötzsch für ihr damaliges Kommen und überreichte ihnen zur Erinnerung ein wunderbares Büchlein, in dem die Radsporttradition in Gersdorf und die Festveranstaltungen in Wort und Bild dokumentiert sind.

 

Des Weiteren gab es von unserem Radsportfreund Dr. Peter Feige den Hinweis, dass sein sicherlich sehr interessantes Buch „Über 1000 Hügel mit ‚Eisenschwein‘ und High-Tech-Rennrad“ über seine mehrjährigen Aufenthalte in Ruanda und anderen afrikanischen Ländern einschließlich eines Berichts über die Straßenrad-Weltmeisterschaften im letzten Herbst in Ruanda demnächst erscheint. Unter der ISBN 978-3-7116-1082-9 ist es über den Buchhandel beziehbar.

Zum Abschluss möchte ich noch eine Anmerkung in eigener Sache loswerden: Von mehreren Gästen erhielt ich den Hinweis, dass es als sehr störend empfunden wurde, dass einige Sportfreunde während der Vorträge unserer prominenten Ehrengäste, aus welchen Gründen auch immer — vielleicht aus Desinteresse oder auch nur aus fehlender Höflichkeit gegenüber dem Vortragenden eigene laute Unterhaltungen führten, sodass andere Interessierte sich gestört fühlten. Sollte eurerseits dieses Konzept, dass ich interessante, erfolgreiche Sportler zum Gespräch in unsere Mitte hole, nicht mehr gewünscht sein, so lasst es mich wissen. Dann können wir auch wieder einen einfachen „Plauderabend“ daraus machen.

Dann wünsche ich allen ein gutes, vor allem gesundes Jahr, damit wir uns frohgemut im nächsten Jahr wiedersehen. Wie immer werde ich im Dezember die Einladungen verschicken.

Wenn eine Legende erzählt: Thomas Barth lässt den Saal in Erinnerungen an die Friedensfahrt eintauchen.
Ein Stück Radsportgeschichte wächst weiter: Die zweite Ehrentafel für Ehrengäste beim Dresdener
Radrennertreffen unter Leitung von Klaus Gärtner.
 
Bernd Schlechte (links stehend) machte sich nach seiner Zeit als Radrennfahrer und Trainer einen Namen als Mechaniker bei Friedensfahrt und Tour de France.
 
Zwei prägende Persönlichkeiten der Friedensfahrt: Karel Gerolt als Dolmetscher und Thomas Barth als Kapitän von zehn Mannschaften.

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