Am 30. April 1946 wurde Kurt Liebeskind geboren und schon früh sollte der Radsport eine entscheidende Rolle in seinem Leben spielen. Mit gerade einmal 13 Jahren wurde seine Begeisterung für das Radfahren geweckt. Kurz darauf meldete er sich bei der BSG Motor Weimar an – der Beginn einer außergewöhnlichen Verbindung zum Radsport, die inzwischen mehr als 65 Jahre andauert.
Aufgrund eines Unfalls konnte Kurt Liebeskind seine ersten Wettkämpfe erst im Jahr 1963 in der Altersklasse Jugend A bestreiten. Doch der Einstieg gelang eindrucksvoll: Bereits im selben Jahr erreichte er bei „Rund um Potsdam“ seinen ersten größeren Erfolg mit dem Aufstieg in die Jugendleistungsklasse I. In seinem zweiten Jugend-A-Jahr und im ersten Juniorenjahr qualifizierte er sich über sechs Veranstaltungen des Olympiapreises für die Nachwuchsauswahl des Bezirks Erfurt. Diese Qualifikation ermöglichte ihm die Teilnahme an der DDR-Nachwuchsbestenermittlung in Sebnitz und Venusberg – ein bedeutender Schritt in seiner jungen Sportlerlaufbahn.
Die aktive Wettkampfzeit wurde jedoch relativ früh durch die Aufnahme eines Ingenieurstudiums beendet. Beruflich führte ihn sein Weg zunächst zum VEB „Carl Zeiss“ Jena und später zum Kombinat Robotron. Parallel dazu absolvierte er ein Fernstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, das er erfolgreich mit dem Abschluss als Diplomingenieur beendete.
Seine Verbundenheit zum Sport blieb dabei stets erhalten: In Bad Blankenburg sowie an der DHfK Leipzig ließ er sich zum Übungsleiter ausbilden.
Seit 1976 engagierte sich Kurt Liebeskind als Übungsleiter im Trainingszentrum Jena und im Bezirks-Trainingszentrum Erfurt. Besonders die Arbeit mit jungen Sportlern im Alter von 11 und 12 Jahren lag ihm am Herzen. Für sein vorbildliches Engagement wurde er im Jahr 1984 als „Vorbildlicher Übungsleiter“ ausgezeichnet.
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Nach der politischen Wende verlagerte sich sein Schwerpunkt zunächst auf die berufliche Weiterbildung. Er absolvierte eine Ausbildung zum Technischen Aufsichtsbeamten und war in dieser Funktion tätig. Doch die Leidenschaft für den Radsport blieb lebendig – und so kam es mit 56 Jahren zu einer bemerkenswerten Rückkehr in den aktiven Wettkampfsport.
Ab 2002 nahm Kurt Liebeskind wieder regelmäßig an Rennen teil. Zu den Höhepunkten gehörten Starts bei den UCI-Masters-Weltmeisterschaften in St. Johann sowie bei den Feuerwehrweltmeisterschaften in Val di Fiemme und Paris, wo er mit einem hervorragenden 6. Platz seine beste Platzierung erreichte.
Es folgten zahlreiche Teilnahmen an Lizenzrennen der Senioren, darunter ein 3. Platz bei der Landesmeisterschaft im Jahr 2006.
Auch bei großen Jedermannrennen war er regelmäßig am Start: Mehrfach nahm er am HEW-Cyclassics in Hamburg teil sowie am Škoda Velothon in Berlin, an Rennen in Bochum, Göttingen, Zwenkau und bei der Velotour Frankfurt.
Besonders erfolgreich verlief das Jahr 2007 mit einem 1. Platz beim HEW-Rennen sowie einem weiteren 1. Platz beim Škoda Velothon Berlin – jeweils in seiner Altersklasse. Weitere bemerkenswerte Ergebnisse waren unter anderem der 5. Platz in der Gesamtwertung des German Cycling Cup seiner Altersklasse sowie ein 3. Platz beim Samson-Radmarathon 2004.
Auch Herausforderungen wie die Lungaurundfahrt, die Dolomitenrundfahrt sowie die Teilnahme an den Sportweltspielen der Medizin in Schottland gehörten zu seinem sportlichen Programm. Mehrfach nahm er zudem an der Touristischen Friedensfahrt teil.
Sein letztes Radrennen bestritt Kurt Liebeskind im Alter von 65 Jahren bei der Deutschen Meisterschaft der Feuerwehren im Radsport in Hannover – und sicherte sich dabei einen hervorragenden 2. Platz. |
Auch im Breitensport blieb er weiterhin aktiv. Bei RTF-Fahrten in Thüringen erreichte er 2009 den 2. Platz in der Jahreswertung, 2013 den 1. Platz und 2014 erneut einen 3. Platz. Darüber hinaus organisierte und absolvierte er regelmäßig Trainingsfahrten, darunter Tagesfahrten rund um die Leipziger Neuseen gemeinsam mit bekannten Radsportlern wie Klaus Ampler oder Siggi Wustrow.
Zweiwöchige Etappenfahrten auf Mallorca, in Deutschland und in Tschechien zeugen ebenfalls von seiner ungebrochenen Leidenschaft für das Radfahren.
Auch organisatorisch blieb Kurt Liebeskind dem Radsport eng verbunden. Mehrere Jahre unterstützte er die Thüringen-Rundfahrt der Frauen als Fahrer eines Begleitfahrzeugs, unter anderem als neutraler Materialwagenfahrer und Vorsprecher.
Ein weiterer Meilenstein seines Engagements ist seine Mitgliedschaft in der Bundes-Ehren-Gilde, der er seit 2009 angehört. Seit 2011 ist er dort als Obmann für Thüringen tätig, und seit 2022 bekleidet er das Amt des Vize-Gildemeisters. |
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Die Generation ostdeutscher Radrennfahrer wurde in ihrer Begeisterung für den Radsport stark durch die großen Erfolge Täve Schurs geprägt. Auch für Kurt Liebeskind war Täve stets ein Vorbild und eine prägende Persönlichkeit. Aus dieser tiefen Verbundenheit heraus suchte er den Kontakt zu einem engagierten Webteam, das das Andenken und die sportlichen Leistungen Täve Schurs im Internet bewahrt und auf radsportonline.com einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.
Die Lebensgeschichte von Kurt Liebeskind zeigt eindrucksvoll, wie Leidenschaft, Ausdauer und Engagement den Radsport über Jahrzehnte prägen können – als Aktiver, Trainer, Organisator und Vorbild für viele Generationen von Radsportlern.
Zu seinem 80. Geburtstag am 30. April wünschen wir ihm weiterhin Gesundheit, Lebensfreude und noch viele schöne Kilometer auf zwei Rädern.
Günter Grau und Reiner Buchheim
im Namen vom Täve-Team-online |
| Kurt Liebeskind war viele Jahre mit dem Friedensfahrtsieger von 1963, Klaus Ampler, befreundet. Beide absolvierten Trainingsfahrten und besuchten die Tour de France. |
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Kurt Liebeskind im Endspurt bei den HEW-Cyclassics 2007
in Hamburg – in seiner Altersklasse
belegte er den 1. Platz. |