Was der umtriebige Werner Ruttkus da – auch mit Hilfe einiger Kameraden – auf die Beine gestellt hatte, ist kaum zu beschreiben. Dem Besitzer eines Radsportmuseums auf seinem Grundstück in Wünsdorf halfen dabei die große Erfahrung mehrerer Ausstellungen im Umkreis sowie das Verfassen unzähliger Bücher rund um den Radsport. Nicht zu vergessen seine Verbindungen zu beinahe allen namhaften ehemaligen deutschen und ausländischen Radsportgrößen – viele von ihnen waren unter den geladenen Gästen.
Prominentester Ehrengast war der Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit des Landes Brandenburg, Rene Wilke, selbst radsportbegeistert. Weiter anwesend: der 1. Vorsitzende des Vereins „Sport gegen Gewalt“ (auch Träger der Veranstaltung), Klaus-Jürgen Jahn, die Bürgermeisterin von Zossen, Wiebke Sahin-Conolly, sowie weitere Persönlichkeiten des Radsports.
Der Verfasser des Artikels war schon einen Tag zuvor vor Ort und durfte beim Vorbereiten den festlich geschmückten Saal mit liebevoll dekorierten Tischen sowie die umfangreiche Ausstellung genießen, unter anderem mit zahlreichen Sportlerporträts. Auch ein historisches Friedensfahrt-Rennrad durfte nicht fehlen – mit einer Leihgabe der Original-Blechtrinkflasche von Paul „Paule“ Dinter.
130 Jahre Radsportgeschichte
Der Vorsitzende des RCBB, Ex-Steherweltmeister Rainer Podlesch, ging in seiner Eröffnungsrede auf die Bedeutung des ältesten deutschen Radklassikers ein. Am 28. August 1896 erfolgte der Startschuss zum ersten „Rund um Berlin“ über 320 Kilometer – mit Start und Ziel in Zossen. Der Kilometerstein „1“ erinnert dort bis heute an den genauen Startort. Erster Sieger war Gustav Gräben aus Brandenburg, der diesen großartigen Erfolg ein Jahr später wiederholen konnte. Im Jahr 2008 war nach mehreren Neustarts leider endgültig Schluss.
Ehrung der Sieger
Wesentlicher Bestandteil des Programms war die Ehrung der anwesenden „Rund um Berlin“-Sieger beziehungsweise ihrer Nachkommen – angefangen bei Gustav Adolf „Täve“ Schur (Sieger 1951), der leider ganz kurzfristig nicht dabei sein konnte. Mehrfach-Sieger waren Klaus Ampler† (5 Siege), Rudi Kirchhoff† (4) und Frank Augustin (3) sowie zahlreiche weitere prominente Gewinner.
Am Rande bemerkt: Mein Vater „Paule“ Dinter wurde 1950 Dritter und 1954 Zweiter, jeweils hinter Rudi Kirchhoff, der im Endspurt einfach nicht zu schlagen war.
Parallel dazu gab es im damaligen Westberlin von 1950 bis zur Wende ein „Rund in Berlin“. Alle anwesenden Sieger beider Radsportklassiker wurden mit Ehrenpreisen bedacht.
„Es war ein großes, außergewöhnliches Fest des Radsports – absolut würdig dem Anlass.“
Gedenken und persönliche Erinnerungen
In einer Schweigeminute wurde der Kameraden gedacht, die nicht mehr unter uns sind – an erster Stelle des unvergessenen Michael Drabinski, der über viele Jahre Organisator „seines“ Rund um Berlin sowie zahlreicher weiterer Veranstaltungen war. Anschließend kamen einige Sieger in Interviews zu Wort und schilderten besondere eigene Begebenheiten bei diesem denkwürdigen Klassiker.
Ein Baum für den Frieden
Es ist schon Tradition, dass bei solchen besonderen Veranstaltungen ein Baum gepflanzt wird. Diesmal war es ein „Friedensbaum“, erneut initiiert von Ortwin Czarnowski. So nahmen der Minister, die Bürgermeisterin und weitere Ehrengäste die Pflanzung im Park des Hotels vor.
Der Radsport-Poet
Nicht fehlen durfte auch der Beitrag des unverwüstlichen Templiner „Radsport-Poeten“ Bernd Köhl. Es ist absolut bewundernswert, wie dieser Mann es immer wieder schafft, ein wahres Epos aufs Papier zu bringen und vorzutragen – herzlicher, lang anhaltender Beifall war der Lohn.
Rahmenprogramm und Broschüre
Umrahmt wurde die Veranstaltung von der wie immer sehr schmackhaften Versorgung durch das Team des „Weißen Schwan“, seit Jahren fester Partner und Gastgeber des RCBB. Die Gäste fanden ein sehr leckeres und vielseitiges Büfett vor.
Werner Ruttkus hatte es sich zudem nicht nehmen lassen, für jeden Gast eine kleine Broschüre zur Veranstaltung anzufertigen. Darin waren unter der Rubrik „Alle Sieger von Rund um Berlin von 1896 bis 2008“ sowie „Rund in Berlin von 1950 bis 1990“ jeweils die ersten Drei exakt aufgelistet und reich illustriert – so konnte jeder Teilnehmer das Programm mit- und nachverfolgen.
Ehrenbürger von Zossen
Zum Ende der Veranstaltung wurde der Bürgermeisterin angetragen, Werner Ruttkus zum Ehrenbürger der Stadt Zossen vorzuschlagen. Dies wurde mit lautstarkem Beifall aller Anwesenden unterstützt.
Geselliges Beisammensein
Draußen an den Tischen gab es dann noch mehrere fröhliche Plauderrunden untereinander – bei bestem Wetter ein würdiger Ausklang des Festtages.